Unfall

Etwas Familiengeschichte

Unglücksfälle: Sommer 1836 / Lastwagenführer stirbt einige Tage nach schwerem Unfall.

Meine Ur-ur-ur-Urgrosseltern, Johannes und Anna Pümpin-Schäublin und
meine Ur-ur-Urgrosseltern, Johannes und Eva Pümpin-Aenishänslin und
meine Ur-Urgrosseltern, Friedrich und Salome Pümpin-Spiess waren alle drei Generationen Wirtsleute.
Sie führten nacheinander den Gasthof Ochsen in Gelterkinden, erst als Pächter, danach als Eigentümer.

Der Ochsen war dazumal eine "Fressbeiz" mit gutem Namen. Die Basler Aristokratie kam gerne sonntags zum Mittagessen mit Kutschen und Karossen angereist. Besonders die letzte Wirtin, meine Ur-urgrossmutter, welche eine Tochter aus dem Restaurant Schlüssel in Ormalingen war soll eine Spitzenköchin gewesen sein.

Neben dem Wirten betrieben sie auch noch eine Fuhrhalterei, heute Logistik genannt. Waren aus fernen Kolonien (zB. Kaffee, Kakao) kamen über die Weltmeere in den Niederlanden an und wurden auf dem Schiffsweg den Rhein hinauf zum Eingangstor der Schweiz, Basel, befördert. Von da an mussten sie mit Ross und Wagen über die Jurapässe in die übrige Schweiz verfrachtet werden.
Die Pümpins bevorzugten dabei den Übergang Ernthalde - Wenslingen - Schafmatt - Erlinsbach - Aarau. Aber auch regional Produziertes musste lokal mit Pferd und Wagen verschoben werden.

Da gab es noch nirgends geteerte Strassen, nur mit Mergel bedeckte Naturwege oder staubige mit Steinplatten und Kopfsteinpflaster bewehrte Pfade, römische Verkehrswege. Bäche mussten vielerorts durch Furten überquert werden. Brücken gab es nur wenige.

Dann kam es zu einem Unglück. Es geschah während eines Gewitters. Es begann zu regnen. Der Weg wurde durch den nassen Staub glitschig. Ein Blitz schlug in der Nähe ein. Die Pferde scheuten und waren schwer zu bändigen. Mein Ur-urgrossvater Friedrich glitt aus und geriet mit dem Unterschenkel unter ein eisenbereiftes Wagenrad. Knacks, offener Beinbruch, der nackte Knochen stach durch die Wadenmuskeln!

Der erste studierte Mediziner im oberen Baselbiet, Dr. med. Johann Jakob Baader riet zur Amputation des Unterschenkels denn die Wunde war stark verschmutzt.

Mein Ur-urgrossvater war jedoch ein harter Mann, ein echter Fuhrmann und er lehnte das Abschneiden entschieden ab. Sein Stolz verwehrte es ihm als ein Krüppel mit Holzbein durchs Leben humpeln zu müssen. So wurde auf seinen Wunsch hin das Bein geflickt; doch dann kam der Wundbrand und die Blutvergiftung. Heute kein Problem. Seit Penizillin und den jetzigen Antibiotika leicht behandelbar, doch dazumal meist das Todesurteil. Endlich liess er sich doch noch den Unterschenkel absägen. Zu spät! Er verstarb mit nur 45 Jahren.

Keines ihrer 5 Kinder war volljährig, meine Ur-urgrossmutter hatte alle Hände voll zu tun. Die Alters- und Hinterlassenen-Versicherung wird erst in mehr als 100 Jahren erfunden. - "Der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb"- verkaufte sie den Gasthof Ochsen an die Familie von Eva Freivogel-Pümpin, einer entfernten Verwandtschaft. So ging das Zeitalter Pümpin als Ochsenwirte zu Ende.

Die Fuhrhalterei betrieb sie noch eine Zeitlang weiter. Das Fuhrwerken, eine viel zu schwere Arbeit für eine Frau gab sie schliesslich auf, als die Kinder volljährig wurden.
Wer weiss, ohne diesen Unfall wäre der Ochsen vielleicht heute noch eine Beiz und ich der aktuelle Wirt auf dem Ochsen?! 🤣😜😆

Story: Hörensagen und «430 Jahre Pümpin von Gelterkinden».
Ausgabejahr: 1986 (Buch vergriffen).
Buchautor: Walter Pümpin-Gerster

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