Lustig ist das Zig.….leben.

Bild: Google Bilder, Internet. 

An einem Herbsttag im Jahr 1911, -12 oder -13 weilte eine Scherenschleiferfamilie, Fahrende in Gelterkinden. Man durfte sie damals noch "Zigeuner" nennen, dies war noch nicht zum Schimpfwort degradiert worden. Sie lagerten mit ihrem Planwagen am Hofmattweg neben dem Pümpinhaus an der Rünenbergerstrasse2 (heute Schär). Sie fragten meinen Grossvater Hans Pümpin, ob sie sich in seinem Wagenschopf aufhalten und das Pferd im umzäunten Baumgarten hinterm Haus grasen lassen dürften. 

Mein Grossvater war ein gutmütiger Mensch und gestattete ihnen den Unterschlupf. Es war eine Win-Win-Situation, denn dafür wurden die Messer und Scheren meiner Grosseltern gratis geschliffen und die Kochtöpfe ausgebeult. 

Der Wagenschopf war ein Balkengerüst mit einem soliden Ziegeldach. Ein grosser Unterstand ohne Seitenwände. Er diente zum Schutz der Bennen- und Leiterwagen aus Holz vor der zerstörerischen Feuchte des Regens. Der Boden war Natur, knochentrocken mit einer dicken Staubschicht belegt.
Da es regnete, war dieser Unterschlupf beliebt, denn im kleinen Planwagen war wenig Platz für eine ganze Familie, war doch auch der ganze Haushalt drinnen verstaut. Besonders den Kindern gefiel der Schopf, konnten sie doch die eingestellten Wagen als Klettergerüste zum Spielen benützen.
Mein Vater (1907) war damals ein vorschulpflichtiges Kleinkind, jedoch alt genug um erlebte Eindrücke als Erinnerungen abzuspeichern. Es gefiel ihm als Abwechslung mit diesen fremden Kindern zu spielen. 

Der Scherenschleifer ging im Dorf von Haus zu Haus seiner Arbeit nach. Mit seinem hand- oder fussbetriebenen, runden, fahrbaren Schleifstein schliff er die von den Einwohnern dargereichten Messer und Scheren oder verkaufte ihnen verschiedene Gebrauchsgegenstände.
Seine Frau flocht im Schopf Weidenkörbe. Sie war eine bunt bekleidete Person mit weitem, bis zum Boden reichendem Rock.

Plötzlich verhielt sich die Mutter der Kinder seltsam. Sie kauerte sich nieder und gab komische Laute von sich. Dann griff sie unter ihren Rock und holte ein nasses, blutiges und vom Staub des Bodens "paniertes" frisch Geborenes hervor. Nach dem Abnabeln ging sie schnurstracks, auf schnellstem Weg mit dem Baby zum nahen Eibach beim "Rünenbergerbrüggli" um es in einer "Gumpi" im herbstlich kalten Bachwasser zu baden und zu waschen. Danach verschwand sie im Planwagen, wohl um das Kleine abzutrocknen, in Decken einzuwickeln, zu wärmen und zu stillen.

Diese Begebenheit beobachtete mein Vater. Ich denke, er wird wohl kaum grosse Fragen an seine Eltern gestellt haben, kannte er doch als Bauernbub das Wunder der Natur, hatte schon manchmal eine "Chalberete" im Stall miterlebt. 

Gerne erzählte er bei Gelegenheit von diesem Ereignis.
Auch meine Grossmutter hat immer wieder entsetzt davon erzählt, wie dieses Kind brutal seinen Eintritt ins Leben mit kaltem Wasser erdulden musste. Auf dieser Welt wird halt nicht jeder Mensch von Ärzten umsorgt und im Luxus, in einem Bett in einer Klinik geboren.
Story: Frei nach Überlieferung.

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