Satisfaction


S A T I S F A C T I O N 


(Parodie auf eine wahre Geschichte)
Wir hatten uns ein Jahr lang nicht mehr gesehen, denn er war im Ausland gewesen. Wir trafen uns in der «Braui» bei einem Warteck Bier. Da gab es viel zu erzählen. Wir waren zudem auch noch beide Rocker und Gitarrenspieler, zwei Musikverrückte. Vieles war auch unterdessen in der Musik passiert. In Liverpool hatten sich vier adrette Jungs zu einer Band zusammengetan; Beatles nannten sie sich. Schwiegersohntypen für manche Eltern. Es gab jedoch auch die Bürgerschreckband Rolling Stones, rollende Steine, was in England Vagabunden bedeutet. England, mit seinen vielen Beatbands, war zum Musiknabel der Welt geworden. Wir hatten viel Gesprächsstoff, bis der Wirt, Alois Fischer, gegen Mitternacht «Polizeistunde» gebot.

Nun sollten wir nach Hause, aber wir waren kein Bisschen müde. Wir beschlossen unsere Gitarren zu holen und uns bei der reformierten Kirche zu treffen. Dort, wo heute die Leichenhalle steht. Da war dazumal noch grüne Wiese und wo heute der Robbydog-Kasten ist, am Brückenkopf der Eisenbahnbrücke stand ein Bänklein des Verkehrs- & Verschönerungsvereins. Dort trafen wir uns wieder. Bald ertönte ein Riff, fast so schön wie bei Keith Richards Baa baa ba baa baaa baba baa und fast so laut, oder lauter noch als Mick Jagger, aus vom Warteckbier geölten Kehlen: SA-TIS-FAC-TION. Am Ende des Liedes lauschten wir, ob von irgendwo her ein Beifall käme. Von den beiden nächsten Häusern der Ärzte Paul Gysin und Renatus Kälin, unten am Breiteweg, kam nichts. Vom Friedhof links von uns, kam auch kein Klatschen (aber Karli, das war jetzt doch etwas zu makaber!). Da hörten wir doch noch was: Uhuu, uhuu. -Es war eine Eule, ein Käuzchen. Ob dies wohl Beifall oder Missfallen war wussten wir nicht. So spielten wir weiter, die ganze Hitparade rauf und runter.

Etwas später quälte sich ein Auto vom Dorfplatz her den steilen Aufstieg des Kirchrains hoch und kam einige Meter vor uns zum Stillstand. - Endlich - es kommt uns jemand entdecken. Als die blendenden Scheinwerfer auf Standlicht gingen sahen wir erschreckt, dass es ein angeschriebenes Auto war. POLIZEI lasen wir. Wir sind doch keine Vandalen, haben nichts beschädigt und keine Diebe, sind nirgends eingestiegen!

Beruhigt bemerkten wir, dass die beiden aussteigenden Cops keine Waffen oder Handschellen bei sich trugen. Das liess uns hoffen, dass wir heute Nacht keine durch Gitter gesiebte Luft atmen müssten. – «Guten Abend die Herren». Unsere schlotternden Knies beruhigten sich nach dieser netten Begrüssung etwas. Habt ihr nicht gehört wie die Uhr vom nahen Kirchturm soeben ein Uhr schlug?». Es sei eine Reklamation wegen Nachtruhestörung eingegangen. Dann belehrten sie uns dass, laut Gesetz, nach zweiundzwanzig Uhr, im Siedlungsgebiet Ruhe herrschen müsse. «Warum geht ihr nicht zum etwas entfernteren Reservoir Lärm machen?». Lärm hat er unsere Kunst genannt, dabei hatten wir uns doch erhofft, es komme jemand uns talentierte Rockstars zu entdecken!

Wir mussten den beiden Gesetzeshüter versprechen nun nach Hause zu gehen. Unsere Personalien wollten sie nicht wissen. Dies bedeutet, dass es keine Anzeige gibt und wir nicht mit einer saftigen Busse rechnen müssen. So schulterten wir unsere Gitarren und trotteten davon.

Heute, mit achtundsiebzig Jahren hat mich immer noch niemand entdeckt. Jetzt ist es auch zu spät, denn meine von Gicht und Arthrose geschädigten Finger könnten so wie so keinen Gitarren-Akkord mehr sauber greifen, es würde kläfelen und tschätteren. Ich will es erst gar nicht erst probieren. Und meine Stimme? Meine Frau sagt: «Reklamieren kannst du noch sehr gut». -Ich könnte also höchstens noch auf eine Karriere als Rapper hoffen. 

Aber nein, im Alter brauche ich dies nun auch nicht mehr. -Jeden Abend, weltweit, ein Konzert in einer anderen Stadt, - jeden Tag in einem anderen Hotel ein- und aus-checken, - jede Nacht in einem anderen ungewohnten Bett schlafen? Nicht zu vergessen die weiblichen Groupies die einem auf Schritt und Tritt verfolgen würden. - Es genügt mir völlig, seit mehr als vierzig Jahren, von einem Groupie begleitet zu werden, für sie ein Superstar zu sein. So, ich gehe nun satisfied schlafen, zusammen mit meinem Groupie. - Satisfaction.

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