Abenteuer

Vorgeschichte:
Bei meinem Geburtshaus an der Rünenbergerstrasse 2 in Gelterkinden war in der Brandmauer zwischen dem Wohn- und dem Ökonomieteil ganz oben am Giebel ein kleiner Durchgang. Für was das kleine Fensterchen ursprünglich war wussten wir nicht. Die Katzen benutzten es als Durchgangsschleuse. Die Brandschau bemängelte diesen offenen Durchschlupf vor zirka 55 Jahren, er müsse zugemauert werden. So besorgte ich mir einige Backsteine und schloss das Loch. Ich war damals noch nicht Maurer, setzte die Steine nur fugen- und mörtellos in die Öffnung. Nun war das Loch geschlossen und die Brandschau war zufrieden. 
Geschichte:
Eines Abends wollte ich meine Schwester besuchen. In ihrer Wohnung waren jedoch nur zwei Wächter, die beiden Hunde von meinem Neffen Fredy Schär. Fredy sagte mir seine Mutter sei mit seiner Schwester fortgefahren. Ich ging darauf nach Hause und bekam einige Zeit später einen Telefonanruf, weshalb ich die Wohnung abgeschlossen hätte
 und wo der Schlüssel sei. 
Ich hatte jedoch nichts dergleichen getan und kehrte zurück um zu verstehen was damit gemeint war. Da war der Ort des Geschehens, die Schwester stand vor ihrer geschlossenen Tür und drinnen waren die beiden bellenden und kratzenden Hunde, Von aussen liess sich kein Schlüssel einstecken, was darauf schliessen liess, dass innen ein Schlüssel steckte. Aber wer hatte von innen abgeschlossen? Derjenige musste noch drinnen sein; doch drinnen waren nur die beiden Hunde.
Ich konnte mir nur vorstellen, dass einer der beiden Hunde beim Hören, dass meine Schwester zurück gekommen war, vor Freude an der Türe hochsprang und sich der Wohnungsschlüssel dabei drehte, - was sich auch einige Zeit später bewahrheitete. Nun war guter Rat teuer!
Was tun? Den Schlüsseldienst avisieren? Doch Remo Bossert war auswärts und vor Mitternacht nicht zurück. -Die Türe aushebeln mit einem "Geissfuss"? Dies würde Türe und Rahmen schwer beschädigen. -Eine Fensterscheibe einschlagen? -Doch alle Fenster waren neu und mit dreifach Schall- und Wärmeschutzscheiben bestückt. Da bot sich noch der Einstieg durchs Dach an. Einige Ziegel entfernen eine Dachlatte aussägen und auf den Estrich abseilen. Doch diese Lösung verwarf ich gleich, denn es regnete und ein steiles, nasses Ziegeldach zu besteigen ist sehr gefährlich, denn es droht Ausrutschgefahr und Absturzgefahr von der Dachrinne 6 Meter tief auf den Steinboden.
Doch dann kam mir das eingangs beschriebene Fensterchen, in den Sinn. Durch diese zirka 25 mal 40 Zentimeter grosse Öffnung war ich als Schulbub dutzende Male gekrochen! Also los! Schnell waren die mörtellos versetzten Steine ausgebrochen und der Durchgang frei.
Doch nun, wer wagt es? Ich war nicht mehr der "schmalbrüstige" Schuljunge. -Fredi sah sich die Sache bedenklich an und winkte ab. Er hatte jedoch einen schlank gebauten Freund, den Postautochauffeur Max Rentsch Junior, der könnte durch die enge Öffnung passen. Max war jedoch im Dienst und vor seiner letzten Tour, Gelterkinden - Rheinfelden und zurück. Er versprach ihm jedoch danach vorbei zu kommen!
Trotz des Verbots Fredys es ja nicht zu versuchen streckte ich in einem unbewachten Augenblick Hände, Arme und Kopf durchs Loch und mit einem Bisschen ruckeln waren auch die Schultern durch. Doch nun sass ich fest. Meine Hände fanden keinen Halt um mich durch zu ziehen. Der Boden war zu tief unter meinen Füssen, so dass ich mich nirgends abstossen konnte und so zappelte ich wie ein Fisch auf dem Trockenen. Der entsetzte Fredy wollte mich an den Füssen zurück ziehen, ich gebot ihm jedoch lieber zu stossen und so lag ich bald auf dem Estrichboden des Wohnhauses.
Nun war die Sache gegessen. Ich musste nur noch in Dunkelheit die Estrichtreppe runter steigen und war auf der Innenseite der blockierten Türe. Die Hunde begrüssten mich freudig und der ominöse Schlüssel steckte. Er war kaum viel mehr als eine Vierteldrehung verschoben, doch dies genügte das Schloss zu blockieren. 
Von der richtigen Seite war es nun eine Leichtigkeit die Türe zu öffnen! Jetzt waren alle zufrieden: Familie Schär, die Hunde und ich, - und ich liess mich als "Held" feiern. Der Innenschlüssel bekam nun ein Schlüsselbrett und blieb nie mehr im Schloss stecken.

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